Endlich liegt er hinter uns, der Weihnachtsstress.
Waren Sie auch ein Betroffener, eine Betroffene dieser Absurdität? Seit Ende November kam mir dieses Wort immer wieder zu Ohren, im Radio, in der Werbung, und es fiel mir sogar in die Hände, als ich einen Anti-Stress-Adventskalender sah. Irgendwas ist da aus der Bahn gekommen, dass wir Weihnachten mit Stress verbinden. Wobei, vielleicht kommen ja auf den «normalen» Stress noch die weihnachtlichen Themen dazu, die das Stressmass zum Jahresende noch einmal auf ein Jahreshoch bringen.
Stress ist mittlerweile ein wirklich grosses gesellschaftliches Problem. Studien belegen, dass die Anzahl der Menschen, die sich gestresst fühlen, in den letzten Jahren stark gestiegen ist. Vielleicht merken Sie es ja an sich selbst oder wundern sich, wie oft man mittlerweile hört: «ich habe keine Zeit», «das liegt nicht auch noch drin». Als Kirche merken wir es beim sozialen Engagement, das in den vergangenen Jahren drastisch zurück gegangen ist, auch in den Vereinen und der Politik ist es überall Thema. Gerne macht man dafür den Egoismus des heutigen Menschen verantwortlich, das ist aber wahrscheinlich zu kurz gedacht. Da ist bei vielen die Angst, bald unnütz und wertlos zu sein, weil die KI oder eine Maschine den Arbeitsplatz übernimmt.
Da ist die ständige Erreichbarkeit und der Druck, immer und sofort alles erledigen zu müssen, dass Wörter wie Feierabend und Wochenende Fremdwörter geworden sind. Da ist die Gesellschaft, die den Wert des Menschen und das Glück definiert und der Mensch sich selbst und sein Leben ständig in Frage stellen muss. Da ist das Leid dieser Welt, das sich ungefiltert durch das Handy den ganzen Tag in unser Bewusstsein schiebt. In einer Umfrage stellte sich heraus, dass sich über 30% der Schweizerinnen und Schweizer am meisten Zeit für sich selbst wünschen. Wellness, Ferien, Shoppen etc. kamen erst viel weiter unten auf der Liste. Leider auch die Zeit für das soziale Engagement. Zeit für sich selbst. Am Jahresanfang macht man sich ja gerne noch neuen Stress mit guten Vorsätzen. Denn man weiss ja eigentlich doch recht gut, was genau im eigenen Leben besser laufen sollte. Mehr Bewegung, mehr Zeit für die Familie, weniger ungesundes Essen, weniger Stress…
Vielleicht wäre es ein Anfang, sich täglich eine gewisse Zeit nur für sich selbst zu reservieren. Konsequent, Stille, auf sich und den Körper hören, zu spüren, was dran ist, mit Gott in Kontakt kommen. Hilfreich dabei ist, sich selbst eine feste Struktur zu geben, diese Zeit auch nicht wieder herzugeben oder mit anderen Terminen und Themen vollzustopfen. Das Handy und andere ablenkenden Geräte sollten weit weg sein. Kontemplation und Aktion gehören schon immer zum geistlichen Leben – Ruhe und Tätigkeit. Zeit für sich selbst und Gott und dann für den Nächsten. Es braucht das ausgewogene Mass.
Ich wünsche Ihnen für das kommende Jahr täglich «Zeit für sich selbst», als Raum für Ruhe, Erholung, für Gottessuche und Stress-Prophylaxe.