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Wieso, weshalb, warum und wofür ist die Kirche da?

30. Juni 2026
Wieso, weshalb, warum und wofür ist die Kirche da?
Immer wieder habe ich den Eindruck, dass Kirche sich dafür rechtfertigen muss, dass sie «noch da ist».

Sei es in politischen und öffentlichen Debatten oder auch im privaten Gespräch. Als stände es zur Debatte: «Braucht es das noch – oder kann das weg?» Wie aus der Pistole geschossen kommen dann oft die Argumente, welch grossen sozialen Beitrag die Kirche für die Gesellschaft tut. Diese Punkte sind alle richtig und wichtig: der Dienst an den Armen, die Beratungsstellen, die Suppenküchen, die Notschlafstellen, die soziale Unterstützung vor Ort oder im grossen Stil durch die Caritas, die Gruppenstunden und Freizeitangebote für die Kinder, die Seniorenferien, die Krankenhaus- und Altenseelsorge, die Erwachsenenbildung und die weltweite Solidarität mit den Benachteiligten der Welt.

Es ist unbestritten: Die Kirche leistet mit all ihren aktiven Mitgliedern und ihren finanziellen Mitteln nachweislich einen grossen Dienst an der Gesellschaft. Doch ist das nicht ihr eigentlicher Daseinsgrund. Auch sollte sich die Kirche nicht allein über ihren Dienst oder die Dienstleistung definieren, auch wenn es der Punkt ist, der sich am leichtesten erklären lässt, wenndie Frage kommt: Wofür ist die Kirche da? Vielleicht ist die Frage wofür nicht die richtige, besser wäre das Fragewörtchen warum. Warum ist die Kirche da?

Unser deutsches Wort Kirche kommt aus dem Griechischen und heisst übersetzt: «Versammlung der Gläubigen». Kirche ist das Zusammenkommen, die Gemeinschaft derer, die an Jesus Christus glauben, die sich mit seiner Botschaft identifizieren können. Schon seit urchristlicher Zeit baut sich diese «Gemeinschaft der Gläubigen» auf drei Grundvollzügen oder Pfeilern auf, die sich aus der Botschaft und der Sendung Jesu ableiten: die Verkündigung (Martyria), die Liturgie (Leiturgia) und der Dienst am Nächsten (Diakonia). Unter Verkündigung versteht man die Weitergabe des Glaubens, die Verkündigung des Evangeliums und der kirchlichen Lehre. Angefangen vom persönlichen Zeugnis über die Katechese bis hin zum Religionsunterricht. Liturgie umfasst hingegen alles gottesdienstliche Geschehen, angefangen vom persönlichen Gebet, die Feier der Gottesdienste in der Kirche und die Sakramente. Liturgie ist der lebenswichtige und lebenserhaltende «Atem» der Gemeinschaft. In der Liturgie, im Gottesdienst oder im persönlichen Gebet geschieht Begegnung mit Gott, empfängt der Mensch den Heiligen Geist, die Gnade, die Liebe Gottes. Hier wird er gestärkt für den Dienst in der Welt. Hier hat die Eucharistie eine herausragende Stellung, denn sie ist «Quelle und Höhepunkt», wie es das zweite Vatikanische Konzil betont.

Diakonie ist Antwort auf die Forderung Jesu, dem Nächsten zu dienen und Antwort auf die empfangene Liebe Gottes. Das verwirklicht sich in der liebenden Hinwendung zu den Menschen aus der eigenen Gemeinde bis hin zur weltweiten Solidarität mit allen Menschen. Diakonie, Liturgie und Verkündigung sind Grundvollzüge und müssen in einem guten Gleichgewicht stehen, weil sie
aufeinander aufbauen, sich aufeinander beziehen und voneinander abhängig sind. Es ist ein Miteinander und darf auf keinen Fall ein Gegeneinander sein.

Keiner der drei Punkte kann alleine stehen, weil sonst etwas Wesentliches fehlt. Warum sind Sie in der Kirche? Was ist Ihnen wichtig und wesentlich? Warum ist unsere Kirche wichtig für die Gesellschaft? Spielen Sie doch in Gedanken ein wenig mit diesen drei Worten: Diakonie, Verkündigung und Liturgie – und buchstabieren Sie durch, wie Ihre Antworten auf diese Fragen sind.

Simone Zierof