Seniorennachmittag mit Peter Eggenberger
Fragt der strenge Lehrer Nef die Schüler, welches Lied denn für einen Ausserrhoder Appenzeller das wichtigste sei. Natürlich das Landsgmändlied «Alles Leben strömt aus dir», das wussten die Schüler sofort. Und für einen General: Natürlich die Landeshymne, damals noch «Rufst du mein Vaterland». Und für einen Pfarrer: «Du schwarzer Zigeuner», kam es von den Schülern zurück. Und die Schlussfrage: «Gibt es auch ein Lied, das für alle irgendwie typisch ist?» Sagt ein vorlauter Schüler spontan: «Ja, alle Vögel sind schon da.»
Strafen waren in der Schulzeit von Peter Eggenberger (Jahrgang 1939) ganz normal; so musste ein Bauernbub fünfzigmal den Satz abschreiben: Man darf den Lehrer nicht duzen. Der Dialekt im Appenzeller Vorderland unterscheidet sich schon klar von jenem der Innerrhödler; «zaged», das ist den Thurgauern noch vertraut, und «wie s’Bisiwetter» und «hantli» auch, «Rorschi» für Rorschach aber schon weniger. Wunderliche Geschichten gab es in seinen Jugendjahren zu Hauf, wie jene von den Oberegger Zwergli, den zwei kleinen Geschwistern Seppetoni und Kathrinli aus dem Restaurant Falken. Legendär ist jene von der dicken Berta, die aber auf einer wahren Begebenheit beruht. In Oberegg wurde sie geboren, kam dann als Attraktion auf den Jahrmärkten bis nach Zürich, auch für einige Anwesende noch eine lebhafte Erinnerung.
Witze gehören zum Appenzeller Volksbrauchtum wie Ländlermusik und Jodeln. Diese können auch bitterböse sein. Fragt das Kind seine Mutter: «Wo ist der Waschlappen?» Die Antwort der Mutter kommt prompt: «Der ist schon im Büro.» Aber es gab auch eine Toleranz, die heute undenkbar ist. Bei der Appenzeller Bahn konnte ein Kondukteur für einen Schwarzfahrer auch ein Freibillet ausstellen, wenn ihn dieser von seiner Notlage überzeugen konnte. Auch die freie Heiltätigkeit im Ausserrhodergebiet ist uns noch gut in Erinnerung; dazu hat Eggenberger einen Krimi verfasst: «Tod eines Wunderheilers». Ebenso hat Peter Eggenberger den Witzweg erfunden, den viele von uns auch schon gegangen sind. Seine Zeit bei der Fremdenlegion wurde auch noch kurz angesprochen, das wäre aber noch einmal ein eigener Vortrag, meinte Eggenberger. Witzig beendete er seinen Vortrag: Fordert der Lehrer die Schüler auf, einen Satz zu bilden mit den Wörtern Samen und säen, worauf eine schlaue Schülerin antwortet: «Tschüss zusammen (Samen), wir sehen (säen) uns morgen wieder.» Wie üblich klang auch dieser erheiternde Nachmittag gemütlich mit Kaffee und Süssigkeit aus.
