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Stille Nacht oder warum Ruhe unsere Rettung ist

02. Dezember 2022
Stille Nacht oder warum Ruhe unsere Rettung ist
In diesem Jahr überrascht mich der Advent mehr als sonst.

Wo sind die letzten Wochen nur hin? War es nicht noch lange – bis zum ersten Advent, bis zu den vollen Tagen im Dezember? Heute Morgen – fünf Tage vor dem ersten Advent – hörte ich den ersten Weihnachtshit im Radio. Viel zu früh, war mein erster Eindruck – und doch sind es nur noch wenige Tage, bis das erste Kerzlein am Adventskranz brennt. Grundsätzlich fühlte ich mich selten so gehetzt wie in den letzten Monaten. Und scheinbar geht es nicht nur mir so – vielen Menschen meiner Generation, mit denen ich mich unterhalte, geht es ähnlich. Es tönt vielstimmig: «Keine Zeit».

Was ist passiert, dass das Leben scheinbar nur noch aus einer Abfolge von Terminen und Verpflichtungen besteht? Beschäftigt zu sein, immer unter Strom zu stehen, ein volles Überstundenkonto zu haben ist die Normalität geworden. Überfordert zu sein – der unreflektierte Lebensstil Vieler. Das Schlimme daran ist, dass diese stete Überforderung auch noch als positiv angesehen wird. Immer beschäftigt zu sein ist gut, das Ruhen und Nichtstun wird schnell als Faulheit abgetan, für die man sich noch entschuldigen muss – vor sich selbst, als auch vor anderen. «Ich schaffe das nicht» auch das höre ich in der letzten Zeit oft. Doch wenn man das sagt, legt man das Mass an sich selbst an und hat das Gefühl zu versagen statt ganz sachlich zu sehen: Es ist einfach zu viel!

Advent – die viel gepredigte Zeit der «Stille und Besinnung». Nehmen wir uns das zu Herzen! Nein sagen! Man muss nicht immer und überall dabei sein. Machen Sie Pause – nehmen Sie sich Zeit! Ein Kollege sagte einmal: «Die Arbeit ist nie fertig, du musst dir Zeit nehmen.»

Zeit – Ruhe – Stille
Stille Nacht singen wir am Heiligen Abend, dem Ziel der Adventszeit, wieder. Die Hausaufgabe für die nächsten Wochen steckt im ersten Wort: Stille! Das Geheimnis, der Glaube, die Begegnung mit Gott passiert in der Stille, wenn wir ganz bei uns sind, wenn alles um uns herum ruhig geworden ist. Wenn wir uns zuhören, wie es uns wirklich geht, wonach wir uns sehnen, wo wir verletzt sind, wo wir uns nach Heilung verzehren. Nehmen Sie sich doch in den nächsten Wochen Zeit für Stille. Und je nach Ihren Lebensumständen müssen Sie sich diese Zeit erkämpfen, gegen die äusserlichen Dinge, die ständig unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollen, wie auch unsere Seele, die oft mit Ruhe und Stille überfordert ist. Stille braucht Übung, aber dafür ist der Advent ja da. Als geschenkte Zeit, um uns auf die «Stille Nacht» vorzubereiten. Das Geheimnis, das uns dort erwartet, ist es wert.

Ich wünsche Ihnen Mut, Stille zu wagen, sich freizukämpfen und «nein» zu sagen!

Simone Zierof