Ein Gott in allen Religionen?
Meistens beten wir das Apostolische Glaubensbekenntnis, das in der Kirche von Rom verbindlich ist. Dazu gibt es das Glaubensbekenntnis von Nicäa-Konstantinopel, das aus den ökumenischen
Konzilien von Nicäa (325) und Konstantinopel (381) hervorging und das noch heute allen grossen Kirchen des Ostens und des Westens gemeinsam ist. Ein Glaubensbekenntnis will die wichtigsten Grundlagen einer Religion verbindlich zusammenfassen.
Sinn und Grenzen
So wie ein Staat eine Verfassung hat, so wie Firmen und Vereine Statuten haben, so ist es auch sinnvoll, dass Religionen und Kirchen festlegen, was zu ihrem wichtigsten Glaubensgut gehört. Daran können sich die Gläubigen orientieren, darum werden diese Bekenntnisse auch nicht verändert. Wir brauchen die gleichen Worte für das, was wir glauben. Doch es gibt auch Grenzen: Auch Religionen und religiöse Traditionen sind nicht unveränderlich, sondern unterliegen dem historischen Wandel. Und leider hat man Bekenntnisse immer wieder dazu gebraucht, um andere Glaubensrichtungen auszugrenzen und abzuwerten. Jesus hat einen anderen Massstab gelegt: «Daran wird man erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.» (Joh 13,35). Auch andere Religionen haben diese Sicht aufgenommen, ein islamisches Prophetenwort sagt es so: «Keiner von euch ist gläubig, solange er nicht für seinen Bruder wünscht, was er für sich selbst wünscht.»
Verschiedene Wege zu Gott
Es war eine der wichtigsten Aussagen des Konzils vor 60 Jahren, das erkannt hat: Es gibt verschiedene Wege der Suche nach Gott; also keine Abwertung der anderen Religionen, sondern Respekt und Anerkennung. Und so stellt sich auch die Frage, ob das Christentum sich mit den formulierten Glaubensbekenntnissen zufriedengibt und als einzige Wahrheit versteht oder ob es auch andere Worte gibt, die glaubende Menschen noch näher zusammenführt, ohne die eigene Glaubenstradition aufzugeben.
Hans Küng hat in seinem Buch «Credo» eine Kurzformel verfasst: «In der Nachfolge Jesu Christi kann der Mensch in der Welt von heute wahrhaft menschlich leben, handeln, leiden und sterben: in Glück und Unglück, Leben und Tod gehalten von Gott und hilfreich den Menschen.» Und im Evangelischen Gesangsbuch Deutschlands findet sich ein Glaubensbekenntnis,
welches das bekannte Bekenntnis aufnimmt und das für heutige Menschen gut verständlich ist: «Wir glauben an Gott, den Ursprung von allem, was geschaffen ist, die Quelle des Lebens, aus der alles fliesst. Wir glauben an Jesus Christus, den Gesandten der Liebe Gottes, von Maria geboren. Ein Mensch, der Kinder segnete, Leben heilte und Grenzen überwand. Er wurde gekreuzigt. In seinem Tod hat Gott die Macht des Bösen gebrochen und uns zur Liebe befreit. Mitten unter uns ist er gegenwärtig und ruft uns auf seinen Weg.
Wir glauben an Gottes Geist, Weisheit von Gott, die wirkt, wo sie will. Sie gibt Kraft zur Versöhnung und schenkt Hoffnung, die auch der Tod nicht zerstört. In der Gemeinschaft der Glaubenden werden wir zu Schwestern und Brüdern, die nach Gerechtigkeit suchen. Wir erwarten Gottes Reich.» Glaube ist immer das Suchen nach dem Göttlichen, auf verschiedenen Wegen und mit verschiedenen Worten, aber geeint im Ziel: das Reich Gottes sichtbar zu machen und zu verkünden.
