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Eine andere Zeit

13. März 2024
Eine andere Zeit
Es gab eine Zeit, da habe ich mich furchtbar darüber aufgeregt, dass man nicht mehr warten kann, und das christliche Feste und ihre Traditionen genutzt werden, um Profit zu machen.

Mittlerweile habe ich aufgehört mich zu ärgern und innerlich dagegen anzukämpfen. Dass die grossen Supermärkte kein Interesse an der Fastenzeit haben, erklärt sich ja von selbst und zudem spielt die Fastenzeit und auch andere Traditionen fast
keine Rolle mehr in unserer Gesellschaft. Es gibt keinen Konsens mehr, dass mit demAschermittwoch eine andere Zeit angebrochen ist. Dafür ist unsere Gesellschaft zu vielfältig, und Religion und Glaube haben sich von der Mitte der Gemeinschaft hin zu einem Randphänomen bewegt. Eine Entwicklung, die jene, denen es wichtig ist, schmerzt aber eben die Realität an vielen Orten geworden ist. Wer heute religiös ist oder fastet kommt eher in Erklärungsnot und muss sich manches Mal sogar rechtfertigen, warum er/sie das tut. Es braucht eine bewusste Entscheidung, sowohl zur Fastenzeit wie auch zum religiösen Leben.
Am nächsten Wochenende beginnt die Heilige Woche. Mit dem Palmsonntag machen wir uns mit Jesus auf den Weg nach Jerusalem, hören das Hosianna der Menschen, hören vom letzten Abendmahl, vom Verrat des Judas, der Gefangennahme Jesu im Garten, der Verleumdung des Petrus, von der Frage nach Wahrheit, von der Geisselung, der Kreuzigung, dem Tod und der Grablegung. Es ist die intensivste und wichtigste Woche für Christen. Was uns in dieser Woche an Geschichten aus der Heiligen Schrift begegnet, ist die geballte Ladung des Lebens und der Realität. Ist Verzweiflung, Angst, Gewalt, Tod und Hoffnung. Die einzige Hoffnung, die wir haben. Die Woche der grössten Relevanz für den Glauben. 

Diese Woche bewusst mitzuvollziehen, zu Hause die Bibeltexte zu lesen, sich ganz bewusst einzulassen auf das, was die Kirche feiert, in die Gottesdienste zu gehen, die Stimmungen auszuhalten und in sich einzulassen, dazu sind wir aufgefordert. Nicht nur ein bisschen, sondern mit ganzem Herzen und ganzem Einsatz. Ostern ist keine Nebensächlichkeit. Schenken wir uns selbst und Gott in dieser Woche besonders unsere Zeit. Wahrscheinlich müssen wir uns erklären oder sogar rechtfertigen. Es braucht das bewusste Ja.
Was die Osterhasen angeht, haben sie für uns Christen noch ein paar Tage Schonfrist, wenn wir ihnen in den nächsten Tagen im Supermarkt begegnen, dann lassen wir uns von ihnen erinnern: an die Freude, die Ostern in uns bewirkt, an unseren Glauben und an unsere Hoffnung.

In der Osternacht werden wir miteinander anstossen und uns frohe und gesegnete Ostern wünschen. Das Leben der Osterhasen wird spätestens dann ein Ende nehmen, aber wir feiern das ewige …

Simone Zierof