Gerechtigkeit und Friede küssen sich…
In den Psalmen lesen wir den wichtigen Vers: „Gerechtigkeit und Friede küssen sich“ (Ps 85,11b). Die Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft waren immer der Ausgangspunkt für Revolutionen und Aufstände. In der Bibel stossen wir auf solche historischen Situationen und die Reaktionen der Unterdrückten.
In diesem liturgischen Jahr, in dem das Lukasevangelium, das auch als Evangelium für die Armen und Unterdrückten bezeichnet wird, als Sonntagslesung erscheint, ist es bemerkenswert, dass wir immer wieder auf Lesungen stossen, die diesem Thema der sozialen Gerechtigkeit gewidmet sind.
Wer ein reflektiertes Leben führt, wird von den Sorgen der Unterdrückten und Ausgebeuteten betroffen sein. Im Buch Jesus Sirach lesen wir: „Denn der Herr ist Richter …. Und er wird für die Gerechten entscheiden und ein Urteil fällen. Und der Herr wird gewiss nicht zögern und nicht langmütig sein gegen die Unbarmherzigen, bis er ihre Hüften zerbrochen hat.“ (Sir 35,15 b – 22a)
Der Mensch, der seine eigene Gebrechlichkeit erkennt und die Grösse des Schöpfers anerkennt, setzt sein ganzes Vertrauen und seine ganze Hoffnung darauf, dass Gott für die Unterdrückten eingreifen wird. Aber für uns Menschen bedeutet es nicht, dass wir diesbezüglich nichts zu tun haben. Wir sind eingeladen, offene Augen, Ohren, Herzen und Hände für die Unterdrückten und Armen zu haben. Gleichzeitig warnen die Schrifttexte vor der Versuchung zu denken, dass wir Menschen alleine die Probleme der Gesellschaft und der Welt ohne die Hilfe des Schöpfers lösen können. Der Name „Lazarus“ in der Geschichte des reichen Mannes und Lazarus ist ein Programm (Lk 16,19-31). Das Wort Lazarus bedeutet „Gott hilft“. Es ist ein grosser Trost, dass Gott an der Seite der Schwachen und Unterdrückten steht. Das Gleichnis von der Witwe und dem Richter im Lukasevangelium (Lk 18,1-8) ist ein anderes Beispiel dafür. Der Zöllner, der sein ganzes Vertrauen auf die Barmherzigkeit Gottes setzt, wird gerechtfertigt gegenüber der Selbstgerechtigkeit des Pharisäers (Lk 18,9-14). Deshalb sind wir aufgerufen, bei all unseren Bemühungen um Gerechtigkeit in der Welt auch auf die Hilfe Gottes zu vertrauen.
Gerechtigkeit und Friede sind so eng miteinander verbunden. Bei vielen politischen Diskussionen und Friedensversuchen wird leider die Notwendigkeit der Gerechtigkeit vergessen. In den Schrifttexten der Liturgie sehen wir die Notwendigkeit des ständigen Gebetes und der Bemühungen um Gerechtigkeit und Frieden. Das Buch Exodus schildert uns ein Bild von Beharrlichkeit im Gebet: „Solange Mose seine Hand erhoben hielt, war Israel stärker ... Als dem Mose die Hände schwer wurden, holten sie einen Steinbrocken, schoben den unter ihn und er setzte sich darauf. Aaron und Hur stützten seine Arme, der eine rechts, der andere links, sodass seine Hände erhoben blieben.“ (Ex 17, 8-13).
Der Oktober ist auch der Monat des Rosenkranzes; nehmen wir darum den Aufruf von Papst Leo an, im Rosenkranz um den Frieden in der Welt zu beten.
