Künstliche Intelligenz - Segen oder Gefahr?
Seit etwas mehr als einem Jahr geistert der Begriff «Künstliche Intelligenz» (Kurzform KI) durch die Medien. Was damit gemeint ist, wird auch durch die verschiedenen Definitionsversuche nicht restlos klar. Zwei Beispiele: «Unter künstlicher Intelligenz verstehen wir Technologien, die menschliche Fähigkeiten im Sehen, Hören, Analysieren, Entscheiden und Handeln ergänzen und stärken.» Und noch etwas praktischer: «Künstliche Intelligenz ist die Fähigkeit einer Maschine, menschliche Fähigkeiten wie logisches Denken, Lernen, Planen und Kreativität zu imitieren.»
Die Chancen
In Teilgebieten der Wissenschaft kann KI durchaus positive Resultate erzielen. Wo Ergebnisse und Behandlungsmethoden auf messbare Daten angewiesen sind, kann KI diese liefern: in der Informatik, der Medizin, der Logik und Mathematik, um nur einige Beispiele zu nennen. Das führt zu einem breiteren Wissen und zu einem schnelleren Verarbeiten der Daten. Das Fernziel der KI ist es, so etwas wie ein intelligenter Agent zu werden, um jede intellektuelle Aufgabe zu verstehen und zu erlernen, die der Mensch bewältigen kann. Die Wertungen gehen weit auseinander: Die einen befürchten massive Falschinformationen und Massenarbeitslosigkeit, andere preisen den technischen Fortschritt: «Die künstliche Intelligenz macht die Medizin besser», stand in einer seriösen Schweizer Tageszeitung.
Chat über Jesus
Es sind auch schon Versuche im religiösen Bereich gemacht worden. KI wurde gefragt: «Welche Botschaft geht von Jesus aus?» Und ChatGPT (das ist die Text-Maschine, die unglaublich schnell die Antwort liefert) sagt dazu: «Die Botschaft der Liebe und des Mitgefühls. Jesus hat immer wieder betont, dass die Liebe zu Gott und zu den anderen Menschen der wichtigste Aspekt des Lebens ist. Jesus hat immer wieder betont, dass es ein Leben nach dem Tod gibt und dass die Menschen Trost und Hoffnung in schwierigen Zeiten finden können.» Auch Irrtümer werden korrigiert: Dass Jesus kein Jude gewesen sei. «Jesus war tatsächlich ein Jude und wurde von seiner Mutter Maria und seinem Vater Joseph als Jude aufgezogen. Er betete in der Synagoge.» Diese Antworten sind zwar nicht sehr originell, aber sie entsprechen der christlichen Glaubenslehre.
Hilfe in der Theologie?
Auch Papst Franziskus hat sich erstaunlich positiv für die Verwendung von Künstlicher Intelligenz ausgesprochen, wenn sie dem Wohl der Menschheit dient. Und ein Priester sieht durchaus praktische Vorteile: «Ich nutze ChatGPT regelmässig bei der Predigtvorbereitung. Was aber nicht heisst, dass ich die Predigten durch ChatGPT schreiben lasse.» Es kann also sein, dass KI gute oder sogar bessere Predigten herstellen kann, ohne dass man beim Lesen oder Hören merkt, dass sie künstlich verfasst worden sind. Auch für Seelsorgegespräche könnte KI gute Hinweise oder Ratschläge vermitteln. Und in der Stadtkirche Winterthur stand zum 500-Jahr-Jubiläum der Reformation ein Roboter, der Menschen segnet. Was uns dann zu den problematischen Seiten dieser Sache führt.
Grenzen und Risiken
Der katholische Theologieprofessor Peter Kirchschläger urteilt ganz nüchtern: «Bei ChatGPT sehe ich vor mir eine wiederkäuende Kuh.» Weil da Gedanken und Formulierungen, die schon einmal gedacht worden sind, wiedergekäut und ausgespuckt werden. Und ein reformierter Medienwissenschaftler vergleicht KI mit einem sehr eloquenten Papagei und befürchtet, dass KI gleichzeitig über- und unterschätzt werde. Im seelsorglichen Arbeitsbereich geht es immer auch um Beziehungen, um persönliche Fragen und Probleme; da wird KI sich nicht einfühlen können, sondern nur stereotype Antworten liefern. Denn gerade Gefühle wie Liebe, Angst, Schuld, Versöhnung, Freude und viele mehr verlangen eine persönliche Auseinandersetzung und ein Gespräch, die dann zu einer individuellen Antwort und Lösung führen. Wohin sich das System KI entwickelt, ist noch nicht abzusehen. Forscher verlangen einen streng regulierten Zulassungsprozess, bei dem auch die Menschenrechte gesichert sind. Zum Schluss noch meine persönliche Meinung: Mich reizt KI überhaupt nicht, ich möchte auch in Zukunft mit meiner Person hinter dem stehen, was ich denke, rede und schreibe.
