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Sakramente für Erwachsene

04. Oktober 2024
Sakramente für Erwachsene
Es ist schon lange nicht mehr selbstverständlich, dass man als Kind getauft wurde und den traditionellen Weg der Initiation ging: 

Taufe, Erstkommunion und Firmung. Über viele Jahrhunderte war das der ganz normale Weg, und es und es passierte kaum, dass man eines dieser Sakramente verpasste. Kam ein Kind auf die Welt, wurde es innerhalb von ein paar Wochen oder Monaten getauft. Gemeinden und Pfarreien waren so aufgebaut, dass Sakramente zu bestimmten Zeiten gespendet wurden. Die Erstkommunion, wenn die Kinder ein bestimmtes Alter hatten (2. oder 3. Klasse) oder die Firmung, wenn der Bischof in die Pfarrei kam.

Auch heute läuft das in vielen Pfarreien immer noch so, auch bei uns in Arbon. Seit vielen Jahren können wir einen Wandel beobachten. Nicht nur bei den Eltern und Kindern, sondern auch im Selbstverständnis der Kirche. Was normal war, ist es schon lange nicht mehr. Die Anzahl derer, die zur Kirche gehören ist nicht mehr die Mehrheit. Viele Eltern bringen ihr Kind nicht mehr automatisch zur Taufe, sondern möchten ihr Kind selber entscheiden lassen, zu welcher Religion/Konfession
es einmal gehören will. Dieses Verhalten wurde natürlich lange nicht gutgeheissen, und auch heute führt diese Entscheidung bei manchen, die traditionell mit der Kirche verbunden sind, zu Unverständnis.

Ein Blick in die Kirchengeschichte kann uns helfen, etwas entspannter mit diesem Thema umzugehen. Denn Kindertaufe war in den ersten Jahrhunderten des Christentums nicht denkbar. Taufe war kein Automatismus, sondern eine freie und wohl zu überlegende Entscheidung. Die ersten Christen waren eine kleine Gruppe, sie machten nicht die Mehrheit in der Gesellschaft aus. Wer Christ sein oder werden wollte, der musste sich intensiv vorbereiten, sein Leben den christlichen Massstäben anpassen und sich bewähren. Wenn es dann zur Taufe kam, wurde er/sie nach dem Glauben befragt und nach dem Willen, ein Leben als Christ zu führen. Erst wenn die bewusste, reife, erwachsene Entscheidung ausgesprochen wurde, kam es zur Taufe und zur Aufnahme in die Gemeinde.

Als die christliche Religion zur Staatsreligion erhoben wurde, änderte sich alles. Aus der Entscheidungsreligion wurde Volksreligion. Die bewusste Entscheidung des Einzelnen trat in den Hintergrund, die Gemeinden und Kirchen wuchsen und wer nicht Christ war, der wurde irgendwann ausgeschlossen oder verfolgt. Die Lehre, dass nur die in den Himmel kommen, die getauft sind, machte aus der freien Entscheidung eine Entscheidung aus Angst. Aber ganz so aufgeben wollte man die Idee mit dem freien Willen nicht. So trennte man die Taufe, die ursprünglich die Taufe mit Wasser, die Salbung mit Öl und den Empfang der Kommunion beinhaltete, in drei Teile. Wassertaufe mit der ersten Salbung bei der Taufe, Erstkommunion, wenn das Kind fähig ist, Symbole zu erkennen, und die Firmung in dem Alter, das man als «reif» bezeichnet. So entstanden drei «Kinder-Sakramente», durch die man über Jahrhunderte in die römische Kirche geführt wurde. Im christlichen Osten gab es diese Trennung nie, dort empfangen auch heute die Kinder in der Taufe gleich die Firmung und die Kommunion.

Für das Für und Wider gibt es viele gute und verständliche Argumente. Heute begegne ich immer wieder Erwachsenen, die vielleicht getauft wurden, aber nie gefirmt und Erwachsenen, die aus unterschiedlichen Gründen nie die Erstkommunion
empfangen haben oder bei denen das Thema Taufe nie zur Sprache kam. So mancher traut sich gar nicht zu fragen aus Angst, bei den Kindern mitmachen zu müssen oder dass es eine Schande wäre, als Erwachsener getauft zu werden. Das ist es aber nicht. Allein in diesem Jahr wurden tausende (!!!) Erwachsene in Frankreich getauft, und auch wir durften eine Firmung einer erwachsenen Person an Pfingsten erleben. Bewusste Glaubensentscheidungen sind immer ein Grund zur Freude und haben mit dem Alter nichts zu tun. Falls auch Sie jemanden kennen, der Interesse an den Sakramenten hat, oder Sie vielleicht selbst noch etwas «offen» haben, melden Sie sich doch bei mir. Wir finden einen Weg, und es ist eine grosse Freude, wenn wir Sie auf diesem Weg begleiten dürfen.

Simone Zierof